Smart Water –wie Alexander Gerst an Trinkwasser kommt

Redaktion, Text und Lektorat Simone Giesler - Wasser und Wasserversorgung

Unser blauer Planet ist an seiner Oberfläche zu ca. 70 Prozent mit Wasser bedeckt. Erst kürzlich haben Wissenschaftler in der Fachzeitschrift SciencesAdvances ihre Ergebnisse zu Untersuchungsmodellen veröffentlicht, nach denen das Wasser auf der Erde aus wasserreichen Asteroiden stammt, die vor rund 4 Milliarden auf die Erde prallten. Klingt alles nach Wasserreichtum. Doch 97 Prozent der auf der Erde verfügbaren Wasserreserven sind Salzwasser. Lediglich 3 Prozent sind Süßwasser, jedoch überwiegend im gefrorenen Zustand, nur ein kleiner Teil davon kann als Trinkwasser genutzt werden.

 

Der Mensch selbst besteht (altersabhängig) zu ca. 70 Prozent aus Wasser, ein Wasserverlust von bereits 15 Prozent ist für ihn tödlich. Sauberes Trinkwasser in ausreichender Menge ist somit eine Grundvoraussetzung. Für uns eine Selbstverständlichkeit. Für die Besatzung der Internationalen Raumstation ISS ein kostbares Gut. Aber sie hat sich gewappnet: 80 Prozent des von den Astronauten verbrauchten Wassers wird aus Kondensat, Abfluss und Urin recycelt. Dazu werden spezielle Aufbereitungsanlagen und Filter eingesetzt, um keimfreies Trinkwasser zu generieren. Ein kluges Wassermanagement wäre auch in vielen anderen Teilen der Welt überaus sinnvoll. Bereits über 2 Milliarden Menschen haben schon heute keinen Zugang zu sauberem Wasser, Tendenz steigend. Vielen Ländern fehlt es an Geld, um die Verbesserung der Wasserversorgung zu bewerkstelligten.

Dabei ist es ist ein Menschenrecht, der freie Zugang zu sauberen Trinkwasser. Es scheint erstaunlich, dass dies erst im Juli 2010 von der UN-Generalversammlung als solches anerkannt wurde. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass andere Menschenrechte ohne das Recht auf Wasser gar nicht umsetzbar wären. Wie sollte das Recht auf Leben ohne Wasser möglich sein? Oder das Recht auf Nahrung, wenn der Hauptteil des Trinkwassers in der Produktion von Lebensmitteln steckt? Zur Produktion von nur einem Kilogramm Getreide etwa werden 1000 Liter Wasser verbraucht, und um einen Hamburger herzustellen ca. 2400 Liter. „Virtuelles Wasser“ nennt man diese versteckte Ressource, da sie nicht unmittelbar als Trinkressource dient.

 

Alexander Gerst hat während seiner Horizons-Mission im August den aktuellen Zustand unserer Wasserressourcen auf der Erde mit Fotos dokumentiert. Es geht uns alle an, ein funktionierendes Ökosystem zu gewährleisten, vor allem die westlichen Industrienationen, die Wasser im Überfluss verbrauchen, ebenso wie die emporsprießenden Megacities aus Schwellenländern. Effizientes Wassermanagement ist weltweit gefragt, innovative Instandhaltung von bestehenden Wasserleitungen, Entsalzungsanlagen, und Wasseraufbereitungsmethoden müssen verstärkt in den Fokus von Anlegern rücken.

 

Und was könnten wir als Endverbraucher tun, um sparsam mit Wasser umzugehen? Eine Bewusstseinsstärkung darüber, wo das virtuelle Wasser steckt, woher das Trinkwasser kommt und wo das Lebensmittel produziert wird, wäre ein erster wichtiger Schritt.

Brauchen wir im Winter tatsächlich Erdbeeren?