Olympia 2020 in Tokio: Von neuen Wettbewerben, Sportlern bis zur intelligenten Stadt

Olympiade 2020 in Tokio
Letzte Hürden bis zu den Olympischen Sommerspielen im Juli 2020

 

Das große Sport-Highlights des Jahres sind die Olympischen Sommerspiele in Tokio. Während Sportler die letzten Hürden nehmen und sich akribisch vorbereiten, um Top-Platzierungen oder persönliche Bestleistungen zu erreichen, jagt Tokio nach dem grünen Siegel. Der Countdown zu einer der bedeutsamsten Spiele läuft …

 

 

Ab 24. Juli fällt der Startschuss: Die Sommerspiele mit Wettkämpfen aus insgesamt 33 Sportarten und 51 Disziplinen werden in Japans Hauptstadt dann offiziell eröffnet. Bis zum 9. August (Olympische Spiele) bzw. 6. September (Paralympische Spiele) kann man die Leistungen der Top-Athleten verfolgen, vieles davon live im TV – die sieben Stunden, die Japan voraus ist, in seiner persönlichen Agenda einberechnet.

 

 

Alles bewegt sich auf der Welt – Auch die Spiele 2020 bringen überraschende Neuigkeiten

 

Wie das IOC im Jahr 2016 bekannt gab, werden für die diesjährigen Sommerspiele folgende fünf neue Sportarten aufgenommen:

  • Surfen,
  • Sportklettern,
  • Baseball (Männer)/Softball (Frauen),
  • Karate und
  • Skateboard.

Wenn auch schon Beachvolleyball, getoppt mit den deutschen Olympiasiegen in London 2012 und Rio 2016, mit extremer Athletik und gleichzeitigem Urlaubsfeeling reizt, scheint Surfen im offenen Ozean hier noch etwas tiefer einzutauchen und einen Hauch von Freiheit und Abenteuer zu versprühen. Und auch Skateboarden ist mehr als nur ein Trend: Es ist ein lebendiger Mix aus sportlicher Akrobatik und Lebenskultur – Musik, lässige Kleiderstile sowie generationsübergreifende Individualität begleiten hier Höchstleistungen. Und überrascht: Mit gerade einmal zwölf Jahren ist die deutsche Skateboard-Meisterin Lilly Stoephasius auf dem Weg, das Ticket zur Olympia-Qualifikation zu lösen. Dieser Wettbewerb ist einer der wenigen, für den es keine Altersbeschränkung gibt. Mehr Jugendlichkeit, mehr trendige Szenerien für die junge Generation, mehr Zugang zur Urbanisation des Sports.

 

Neu und interessant ist auch der kompakte Austragungsort: Die meisten Wettbewerbe sollen innerhalb einer acht-Kilometer-Zone um das olympische Dorf ausgetragen werden. Ebenfalls neu ist – das dürfte weniger überraschen – das Olympiastadion, das die alte Olympiastätte von 1964 ersetzt. Und brandneu: Innerhalb des olympischen Dorfs können sich Sportler wie auch Besucher erstmals autonom befördern lassen.

 

Zusätzlich zu neuen Sportarten werden auch wieder weitere Disziplinen bestehender Sportarten eingeführt, unter anderem 3x3 Basketball, eine Mixed-Staffel über 4 × 400 m in Leichtathletik sowie Mixed-Wettbewerbe im Tischtennis, Bogenschießen, Judo und Triathlon. Es wird paarig.

 

 

Übertragung der Spiele und die Sportler

 

So viel Neues – wenn man schon nicht hautnah dabei sein kann, lässt es sich dennoch live erleben: Die Spiele werden wieder live im Fernsehen und Live-Stream zu sehen sein (kostenlos und ohne Anmeldung im Free-TV und Stream auf den öffentlich-rechtlichen Sendern). Stellt sich die Frage: Aufstehen oder in den Mediatheken verfolgen? Auch wenn der Zeitplan noch nicht 100%ig bestätigt ist, gilt er als recht valide und kann auf https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_2020#Zeitplan eingesehen werden (oder auf der offiziellen Seite: https://tokyo2020.org/en/games/schedule/olympic/).

 

Bisher haben sich Sportler aus 140 Ländern qualifiziert. Russland wurde, wie von der Welt-Anti-Doping-Agentur bekannt gegeben, für die nächsten vier Jahre von allen sportlichen Großereignissen ausgeschlossen, jedoch dürfen russische Athleten unter neutraler Flagge antreten.

 

Aus deutscher Sicht mag es Medaillen-Hoffnungen unter anderen für die Reiter, dem Ruder-Achter und das Tennis-Mixed Angelique Kerber und Alexander Zverev geben. In Leichtathletik wird nicht nur die Heidelberger Region den Atem anhalten, wenn die dort geborene Malaika Mihambo von der LG Kurpfalz, die zur deutschen Sportlerin des Jahres 2019 gewählt wurde, an den Start geht.

 

Ganz besonders aufgeheizt sein wird die Atmosphäre, wenn beim 100-Meter-Lauf der Männer der Nachfolger des dreimaligen jamaikanischen Olympiasiegers Usain Bolt die Ziellinie überquert. Wer wird wohl die Lücke des Bogenschützen-inszenierenden Super-Athleten füllen? Wenn dann noch unter dem „grünen Dach“ der Spiele Wasserdampf die Luft erfüllt, werden gänzlich neue Energien freigesetzt werden. Wie im Blog „Synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff – ein fast schon olympischer Mobilitätssprung bereits beschrieben, stehen die Spiele unter einem neuen Stern: sauber, CO2-arm, vernetzt und intelligent.

 

 

Bahn frei für autonome E-Mobilität

 

Das alles klingt wie eine typische Idee, die man am WG-Tisch allabendlich diskutiert, aber eben nie umsetzt. Japan ist da nun einen Schritt weiter: Der Automobilhersteller Toyota hat bereits ein autonomes E-Shuttle für die Sommerspiele entwickelt. Das autonome Fahrzeug soll Sportler wie Besucher auf dem Olympia-Gelände befördern und so konzipiert sein, dass auch Menschen mit Behinderungen und Familien mit kleinen Kindern sicher transportiert werden können.

 

Das ist aber nur der Anfang: Für die Zukunftsstadt namens Woven City („Verflochtene Stadt“) soll zudem das Gelände einer stillgelegten Fabrik des Autobauers in Nähe des Bergs Fuji umgebaut werden: als Testfeld für Smart City, autonome Mobilität und Heimautomation. Ein Jurrasic Park, nur dass hier statt fleischfressende Dinosaurier individuelle Mobilität, Robotik, Smart Home oder künstliche Intelligenz in einer realen Umgebung zum Leben erweckt werden. Um die Stadt nachhaltig zu gestalten und einen geringen Kohlendioxid-Fußabdruck zu haben, werden die Gebäude hauptsächlich aus Holz bestehen, das teilweise mit Robotern bearbeitet wird. Für die Energieversorgung sind Solaranlagen auf den Dächern zuständig ebenso wie Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff betrieben werden. Fußgänger, Radfahrer und emissionsfreie Autos sollen auf eine intelligente Weise die Straßen teilen. Innerhalb der Wohnungen werden Sensoren sowie künstliche Intelligenz u. a. den Gesundheitszustand der Bewohner überwachen.

 

All dies wird auf den Olympiastätten vergegenwärtigt bzw. präsentiert sein. Stätten und Städte der Zukunft – ein interessantes Projekt. Die tatsächliche ökonomische und ökologische Gesamtbilanz ist sicher nicht weniger interessant. Wir dürfen gespannt sein.

 

 

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

 

Am 7. September wird es schlagartig ruhig werden, wenn die Schlusszeremonie gefeiert ist und die Athleten Japan verlassen. Wenn es heißt: „Die Luft ist rein. Der Neubewohner können kommen.“

 

Dann soll das Olympische Dorf zu Wohnheimen umgebaut werden. Brennstoffzellen aus reinem Wasserstoff werden dezentral Strom und Heißwasser erzeugen. Die Mission ist klar: Mit Wasserstoff als Energiespeicher will man dem Klimawandel entgegentreten. Ein ehrgeiziges Projekt. Dass dies aber gerade auf olympischen Boden präsentiert wird, wo Ehrgeiz Nährstoff ist, ist fast schon eine Art Bolt-Bogenschützen-Inszenierung.

 

 

Die offizielle Webseite für die Olympischen Sommerspiele Tokio: https://tokyo2020.org/en/

Bild: AdobeStock ©Stefan Schurr